Site logo

Farm Food Climate Festival 2022

Vom 15. bis 17. September 2022 fand das 1. Farm-Food-Climate Festival statt. Das soilify-Team wurde beauftragt, das Event medial zu begleiten.

Der Titel des Festivals lautete „Lasst uns der Zeitenwende in den Ernährungssystenmen eine Richtung geben!“. Ziel war es, genau die Akteure zusammenzubringen, die die Land- und Ernährungswirtschaft von morgen aktiv mitgestalten.

Innerhalb dieser zwei Tage wurden inspirierende Keynotes gehalten, Open-Space-Workshops absolviert, fruchtbare Allianzen geschmiedet und gemeinsam gegessen und gefeiert – alles in der inspirierenden Umgebung der Domäne Schickelsheim in der Nähe von Königslutter.

Live und in Farbe

Über 200 Akteure aus der Lebensmittelbranche hatten auf dem FFC Festival die Möglichkeit, sich in Gesprächen, Workshops und Vorträgen über progressive Lösungsansätze im Spannungsfeld einer zukunftsfähigen Land- und Ernährungswirtschaft auszutauschen. Dabei stand die Transformation der Landwirtschaft im Mittelpunkt der Veranstaltung. Wer mehr über das Festival und das Programm erfahren möchte, kann die Webseite von Farm Food Climate besuchen.

Was im Rahmen der Farm Food Climate Challenge bisher nur auf dem Bildschirm via Zoom stattfand, hatte nun Gelegenheit in echte Begegnungen umgewandelt zu werden. Als Teil der Farm Food Climate Challenge wurde das Team von soilify angefragt, das Event medial zu begleiten und zu dokumentieren. Im Folgenden möchten wir Euch zum einen das ReCap-Video und zum anderen die zahlreichen Fotos zeigen, die während dieser zwei ereignisreichen Tage des Festivals entstanden sind.

Fotos Teil 1

Fotos Teil 2

Fotos Teil 3

Fotos: © Jan Wagner, soilify.org im Auftrag von project together / Farm Food Climate

Die Keynote-Speaker:innen

Ophelia Nick (Parlamentarische Staatssekretärin des BMEL)
Nikola Steinbock (Sprecherin des Vorstands der Rentenbank)
Marie-Sophie von Schnehen (Landwirtin, Hofgut Klein Schneen)
Christoph Heinrich (Geschäftsführender Vorstand, WWF)
Dr. Hermann Lotze Campen (Leiter der Forschungsabteilung „Klimaresilienz“ am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Professor Humboldt-Universität zu Berlin)
Prof. Dr. Ludwig Theuvsen (Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz)
Prof. Dr. Dirk Brockmann (Professor im Bereich Komplexitätsforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Robert Koch-Institut)
Prof. Dr. Folkhard Isermeyer (Präsident, Johann Heinrich von Thünen-Institut)
Dr. Marisa Hübner Hübner (Ärztin für Innere Medizin, Ayurveda und Ernährung, Ahara Health)
Mathias Kollmann (Geschäftsführer Bohlsener Mühle)
Kaspar Haller (Bauer mit Schnittstellenkompetenz, Gründer, Unternehmer und Mentor)
Daniel Anthes (Gründer Knärzje)
Philipp von der Wippel (Gründer und Co-Geschäftsführer ProjectTogether)
Lukas Dillinger (Food System Design & Food Campus Berlin Innovation Ecosystem)
Frederike Gaedke (Die Gemeinschaft)

Dan Anthes – knärze
Daniel „Dan“ Anthes von Knärzje sprach in seiner Keynote über die Zukunft der Ernährung

Die Mitgestalter:innen

Katrin Heuzard La Couture (GLS Bank)
Alex Berlin (Co-Founder, Agrifood Ecosystem Navigator)
Fabio Volkmann (Climate Farmers)
Philipp Burckhardt (HelloSolution)
Charlott Ochsenfahrt (Madebymade)
Nicolas Barthelmé (Du bist hier der Chef!)
Ludwig Riedesel (Biodivers)
Johanna Kriegel (True Cost Economy e.V.)
Maja Mogwitz (was.währe.wenn)
Christoph Meixner (TRIEBWERK – Regenerative Land-und Agroforstwirtschaft UG (haftungsbeschränkt)
Julius Strauss (Foodlabs)
Nicolaus Norden (Foodlabs)
Tobias Peschel (Lignovis)
Moritz Wiest (Good Crop)
Johanna Kühner (SuperCoop Berlin eG)
Sabine Bingenheimer (Regionique)
Venna Lepel (Novocarbo)
Tobias Bandel (The Landbanking Group)
Felix von Glisczynski (Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung)
Kasper Thormod Nielsen (Arla Foods)
Dr. Julia Koehn (German AgriFood Society)
Max Brandes (Rentenbank)
Lars Abraham (dropnostix GmbH)

Mathias Kollmann, Bohlsener Mühle
Mathias Kollmann, Bohlsener Mühle

Auszug aus der FFC-Pressemitteilung

Dr. Hermann Lotze-Campen (Leiter der Forschungsabteilung „Klimaresilienz“ am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Professor Humboldt-Universität zu Berlin) sprach über die Agrar- und Ernährungswende als Schlüssel für eine nachhaltige Entwicklung innerhalb der planetaren Grenzen und wie dringend und zentral daher die Transformation von Ernährungs- und Agrar-Systemen für das Erreichen der Klimaziele ist: „Klimafreundliche Landwirtschaft ist kein Luxus, sondern zentral um die Sustainable Development Goals umsetzen zu können und das 1,5 Grad Ziel zu erreichen.“

Nikola Steinbock (Rentenbank): „Der Begriff Transformation ist dieser Tage einer der häufigsten gebrauchten. Nicht ohne Grund: Wir stehen in allen Bereichen der Wirtschaft und Gesellschaft vor grundlegenden Veränderungen, die notwendig sind. So auch in unserer Branche: der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Für uns heißt das, dass es für einen solch durchgreifenden Prozess viele Ideen und motivierte Menschen braucht, die einen guten und auch praktikablen Weg finden, die Transformation ökologisch, ökonomisch und sozial zielführend umzusetzen. Solche überaus motivierte und engagierte Menschen habe ich beim Farm-Food-Climate Festival getroffen. Lasst uns die Herausforderungen in der Landwirtschaft gemeinsam auch als Chance sehen und mit Collective Action den Wandel vorantreiben.“

Prof. Dr. Dirk Brockmann (Professor im Bereich Komplexitätsforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Robert Koch-Institut) zeigte mit einem Vortrag zum Thema Komplexität in Ökosystemen, was wir daraus zu Kooperation lernen können: „Die Natur zeigt: Kooperation führt zu Innovation!“. Damit machte er klar, dass ein komplexes System mehr als nur die Summe seiner Einzelteile ist.

Prof. Dr. Folkhard Isermeyer (Präsident des Johann Heinrich von Thünen-Instituts): „Mich hat am Farm-Food-Climate Festival die Frische, mit der an das Thema Klimaschutz herangegangen wird, überzeugt. Ebenso die Idee, sich dem Thema mittels des Prinzips der Graswurzelbewegung anzunähern. Denn Klimaschutz benötigt beides: sowohl Forscher:innen, die der Politik beratend zur Seite stehen, als auch die breite gesellschaftliche Initiative.“

Marisa Hüber (Gründerin Ayara Health & Fachärztin für Innere Medizin) sprach in einem Panel darüber, wie wir uns innerhalb der planetaren Grenzen gesund und nachhaltig ernähren können und kam zu dem Resümee: „Für wertvolle Vernetzungen und das Bilden von Synergien innerhalb des Agrar- und Ernährungssystems hat das Farm-Food-Climate Festival gesorgt und ich bin sehr gespannt zu sehen, was daraus erwächst! Lebensmittel wertzuschätzen bedeutet, uns selbst wertzuschätzen und zwar jeden Tag, bei jeder Mahlzeit. Die Aussage klingt trivial, ist jedoch heutzutage nicht immer selbstverständlich. Ich denke, dass uns die Fragen ‚Was ist wirklich wertvoll und was hat welchen Wert?‘ in Zukunft intensiv beschäftigen werden. Dabei ist eines sicher: ohne Gesundheit (unsere eigene wie auch die unserer Lebensgrundlage – der Erde) verliert alles andere seinen Wert.“

Ein Wirtschaftssystem schaffen, das Vielfalt fördert

Dass es auch gute Ambitionen in der Politik gibt, haben Dr. Ophelia Nick als Parlamentarische Staatssekretärin des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, Christine Müller von der EU-Kommission Generaldirektion Klimapolitik DG Clima und das Land Niedersachsen, vertreten durch Prof. Dr. Ludwig Theuvsen (Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz), gezeigt.

Dr. Ophelia Nick eröffnete mit ihrer Rede das Festival: „Natur ist Vielfalt. Deshalb müssen wir ein Wirtschaftssystem schaffen, das Landwirtschaft langfristig denkt und Vielfalt fördert.“ Weiter sagte sie: „Ich sehe die Landwirtschaft aus drei Perspektiven – der wirtschaftlichen, human-gesundheitlichen und der biologischen. Klar wird: über alle drei Bereiche hinweg besteht bereits das Wissen, mit dem sich nachhaltige Transformationen schaffen lassen. Offenbar gibt es also kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem.“

In über 25 Workshops arbeiteten die Festival-Teilnehmer:innen daher gemeinsam an Lösungsansätzen für die globalen Krisen unserer Zeit, wie den Biodiversitätsverlust oder die Klimakrise. Das Ziel: Die Vernetzung der Teilnehmer:innen aus verschiedenen Handlungsfeldern für neue Formen der Zusammenarbeit und schlagkräftige Kooperationsprojekte.

Natur ist Vielfalt. Deshalb müssen wir ein Wirtschaftssystem schaffen, das Landwirtschaft langfristig denkt und Vielfalt fördert.

Dr. Ophelia Nick, parl. Staatssekräterin des BMEL

Beiträge waren unter anderem: Christine Müller verfolgte mit einem Workshop eine „Allianz für ein klimaresilientes Ernährungssystem – die Umsetzung der Europäischen Garantie für Kinder“. Christine Müller findet in Bezug auf die Verpflegung von Schulkantinen folgende Worte: „Wir müssen die Wochenmenüs und Einkaufspläne der Schulen transparent machen, um zu verstehen, welche Schulen, wo welche Produkte benötigen. Wenn wir diese Informationen in einem Geoinformationssystem (GIS) kartieren und der Öffentlichkeit zugänglich machen, können wir rechtzeitig und angemessen auf die drei Hebel für ein klimaresilientes Ernährungssystem in der Schule reagieren: Angebot, Nachfrage und die Messung sowie Erfassung von Klima- und Biodiversitätsbilanzen.“

Tobias Bandel (The Landbanking Group) mit einem Workshop zum Thema: „Wir brauchen skalierbare Maßnahmen für eine regenerative Landwirtschaft, weil dies die ökonomisch sinnvollste Variante ist.“

Peter Wachter (Marketinggesellschaft der niedersächsischen Land- und Ernährungswirtschaft e. V.) leitete einen Workshop unter der Frage: „Wie können Startups, Innovator:innen und Unternehmen gemeinsam die Zukunft gestalten?“ Vertreter:innen aus verarbeitenden Unternehmen wie der Bohlsener Mühle oder GOOD CROP erarbeiteten kooperative Ansätze, um die Transformation der Land- und Ernährungswirtschaft voranzutreiben. Erwartungen, Visionen und auch Ängste bezüglich der Zukunft ihrer Unternehmen wurden geteilt und kooperative Ansätze für die Transformation der täglichen Arbeit erarbeitet.

Farm-Food-Climate: kein starres Programm, sondern eine Bewegung zur Umsetzung der Transformation

Auf dem Farm-Food-Climate Marktplatz traten Lösungsgeber:innen wie Initiativen, Start-ups, Landwirt:innen oder Vertreter:innen von Modellregionen in den Austausch und präsentierten sich mit ihren Produkten und Projekten.

Farm-Food-Climate ist kein starres Programm, sondern eine Bewegung zur Umsetzung der Transformation des Landwirtschafts- und Ernährungssektors.

Philipp von der Wippel, ProjectTogether-Gründer

Engagierte Vertreter:innen aus verschiedensten Bereichen des Ernährungssektors trafen aufeinander und bewiesen in produktiven Gesprächen, dass bereits unglaublich viel Wissen vorhanden ist, das für eine nachhaltige Zukunft des Agrifood-Bereichs eingesetzt werden kann. Zu nennen sind: Landwirt:Innen wie Marie von Schnehen, verknüpfende Initiativen in der Wertschöpfungskette wie nearbuy, Kreislauf schließende Unternehmen wie Knärzje und Novocarbo, Verbraucherinitiativen wie Du bist hier der Chef! – Die Verbrauchermarke, sowie Think & Do Tanks wie der Food Campus Berlin und HelloSolution, sowie Förderer:innen wie die Landwirtschaftliche Rentenbank. Zudem gehören die vielen Institutionen, Initiativen und Unternehmen dazu, die dazu beitragen, das bestehende Agrar- und Ernährungssystem durch regenerative Landwirtschaft (beispielsweise TRIEBWERK, Climate Farmers, Klim), Technologien und Tracking-Systeme (beispielsweise Biodivers, dropnostix), Agroforestry (beispielsweise Lignovis), regionale Produktion und Vermarktung (beispielsweise Regionique) und Produkte in der Lebensmittelindustrie zu disruptieren.

ProjectTogether-Gründer Philipp von der Wippel schloss das Festival mit den Worten: „Farm-Food-Climate ist kein starres Programm, sondern eine Bewegung zur Umsetzung der Transformation des Landwirtschafts- und Ernährungssektors. Und diese gestalten wir immer gemeinsam mit der Community.“

  • Kommentare sind geschlossen
  • Weitere Beiträge

    7 Direktsaat-Mythen

    Noch immer ist die Konservierende Landwirtschaft, besser bekannt als System der Direktsaat, in Deutschland weitgehend unbekannt. Darüber hinaus halten sich einige Vorurteile, Bedenken und Mythen hartnäckig, die in der Forschung und landwirtschaftlichen Praxis mittlerweile widerlegt werden konnten.

    Weiterlesen

    Die ewige Suche nach nachhaltiger Landwirtschaft

    Seit die Menschheit sesshafte Landwirtschaft betreibt, hat diese sichtbare Spuren auf unserem Planeten hinterlassen. Viele der ehemaligen Wiegen der Menschheit und Landwirtschaft, wie das Zweistromland oder der Nahe Osten, sind heute Wüstengebiete.

    Weiterlesen

    Die Zukunft der Landwirtschaft

    Unser Grundproblem ist die Zerstörung der Welt, verursacht durch einen unüberbrückbaren Widerspruch zwischen der natürlichen Welt und der technisierten Welt der Industrialisierung.

    Weiterlesen

    Crowdfunding „The ReGeneration“