Die Landwirtschaft steht weltweit vor großen Herausforderungen. Bodenerosion, sinkende Einkommen und eine zunehmende Überregulierung belasten Landwirte und Verbraucher gleichermaßen. Doch während in Deutschland und der EU Agrarsubventionen zum festen Bestandteil der Landwirtschaftspolitik geworden sind, zeigt ein Blick in andere Länder: Es geht auch ohne.
Subventionen gibt es nicht überall – und das verändert die Landwirtschaft
Länder wie Australien und Paraguay beweisen, dass eine Landwirtschaft ohne staatliche Subventionen nicht nur möglich, sondern langfristig nachhaltiger und widerstandsfähiger ist. In beiden Ländern gibt es keine direkten Agrarsubventionen, was Landwirte dazu zwingt, sich konsequent an wirtschaftlichen und ökologischen Realitäten zu orientieren. Das Ergebnis:
- Regenerative Landwirtschaft ist dort weit verbreitet, weil sie nachweislich die langfristige Profitabilität sichert.
- Betriebe setzen auf nachhaltige Methoden wie intensive, gemanagte Weidewirtschaft, um Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und Kosten zu senken.
- Direktvermarktung und Wertschöpfungsketten in bäuerlicher Hand haben sich als erfolgreiche Modelle etabliert.
Im Gegensatz dazu hat die EU eine hochgradig subventionierte Landwirtschaft aufgebaut, die Landwirte in Abhängigkeit hält und Fehlanreize schafft.
Die Geschichte der Agrarsubventionen in der EU
Agrarsubventionen sind in Deutschland und der EU ein vergleichsweise junges Phänomen. 1962 wurde die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) eingeführt, die erste Marktordnungen für landwirtschaftliche Produkte festlegte. Seitdem sind die Subventionen massiv gestiegen. In der Förderperiode 2021–2027 sind rund 365 Milliarden Euro eingeplant – das entspricht etwa 29 % des gesamten EU-Haushalts.
Doch hat dieses System wirklich die gewünschten Effekte erzielt? Oder hat es stattdessen zu Abhängigkeiten, Fehlentwicklungen und Umweltproblemen geführt?
Subventionen führen zu systematischen Fehlanreizen
Subventionen bestimmen nicht nur, was angebaut wird, sondern auch wie es angebaut wird. Sie zwingen Landwirte dazu, sich an politische Vorgaben zu halten, anstatt marktwirtschaftlich sinnvolle Entscheidungen zu treffen.
Beispiele für Fehlanreize durch Subventionen:
- Anbau von Mais, Raps und Weizen etc. auf ungeeigneten Flächen – nur weil diese Kulturen staatlich gefördert werden, obwohl das Klima und die Bodenverhältnisse nicht ideal sind.
- Monokultur-Windschutzstreifen, die wenig ökologischen Nutzen haben, aber als „Agrarumweltmaßnahme“ deklariert werden.
- Blühstreifen, die zu einem Zeitpunkt gesät werden müssen, wenn Bienen bereits im Winterschlaf sind, weil die Förderbedingungen starr vorgeben, wann gesät wird – nicht, was ökologisch sinnvoll wäre.
- Überproduktion an Getreide und Ölsaaten, obwohl Deutschland längst mehr als 100 % der Selbstversorgungsrate erreicht hat. Dennoch zwingt das System Landwirte, weiter zu produzieren.
Die Folge: Ein überregulierter Markt, der keine echten Anreize für nachhaltige Lösungen schafft.
Direktvermarktung: Ein Schlüssel zu resilienter Landwirtschaft
Einer der wichtigsten Wege, Landwirtschaft profitabel und widerstandsfähig zu machen, ist die Direktvermarktung. Doch genau hier steht der Staat mit seinen Vorschriften oft im Weg.
Hindernisse für Direktvermarktung:
- Schlachthofpflicht für Nutztiere, die dezentrale und tierfreundliche Schlachtstrukturen unmöglich macht.
- Überzogene Hygieneverordnungen, die vor allem kleine Betriebe übermäßig belasten, während Großkonzerne sie problemlos erfüllen.
- Strenge Bauvorschriften, die es erschweren, Hofläden, Molkereien oder Metzgereien aufzubauen – während große Handelsketten keine Probleme haben.
Solche Vorschriften sorgen dafür, dass landwirtschaftliche Wertschöpfung zunehmend in den Händen weniger großer Akteure liegt, während kleinere, innovative Betriebe es schwer haben, sich am Markt zu behaupten.
Was wir von Will Harris und Joel Salatin lernen können
Zwei Vorbilder für eine Landwirtschaft ohne Subventionen und staatliche Abhängigkeit sind Will Harris von White Oak Pastures und Joel Salatin von Polyface Farm. Beide haben bewiesen, dass nachhaltige Landwirtschaft wirtschaftlich erfolgreich sein kann – wenn sie vollständig in der Hand der Landwirte bleibt.
White Oak Pastures (Will Harris, USA)
- Harris setzt auf ganzheitlich gemanagte Weidewirtschaft, um Böden zu regenerieren.
- Die gesamte Wertschöpfung – von der Aufzucht über die Schlachtung bis zum Verkauf – bleibt auf dem Hof.
- Durch diese geschlossene Kreislaufwirtschaft konnte er ein Modell aufbauen, das profitabel, ökologisch sinnvoll und unabhängig vom Staat ist.
Mehr über Will Harris und seine White Oak Pastures Farm findest du hier.
Polyface Farm (Joel Salatin, USA)
- Salatin kombiniert verschiedene landwirtschaftliche Produktionsformen, die sich gegenseitig ergänzen: Rinder, Hühner, Schweine und Gemüse.
- Sein System funktioniert ohne synthetische Dünger oder Pestizide, allein durch intelligentes Weidemanagement und natürliche Kreisläufe.
- Die Vermarktung erfolgt direkt an Verbraucher und Restaurants, ohne Zwischenhändler oder staatliche Fördergelder.
Mehr über Joel Salatin und seine Polyface Farm findest du hier.
Beide Betriebe zeigen: Eine resiliente, profitable Landwirtschaft braucht keine Subventionen – sondern unternehmerische Freiheit und die richtigen ökologischen Prinzipien.
Fazit: Mehr Markt, weniger Staat
Die Lösung ist klar:
- Abschaffung aller Agrarsubventionen, um echte wirtschaftliche Anreize für nachhaltige Produktion zu schaffen.
- Deregulierung der Direktvermarktung, damit Landwirte wieder selbst über ihre Wertschöpfung entscheiden können.
- Aufbau resilienter, regenerativer Betriebe, die auf intelligente Weidesysteme und geschlossene Kreisläufe setzen.
Eine nachhaltige Zukunft der Landwirtschaft braucht weniger staatliche Kontrolle, weniger Abhängigkeit und mehr unternehmerische Freiheit. Die Diskussion darüber ist längst überfällig.
Was ist deine Meinung zu Subventionen und Direktvermarktung? Diskutiere mit uns!
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