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Wie ökologisches Monitoring die Landbewirtschaftung unterstützen kann

Regeneriert oder degeneriert mein Boden? Wie wirken sich meine täglichen Managemententscheidungen auf mein Land aus? Woran kann ich erkennen, wie gut meine Ökosystemprozesse funktionieren?

Inhalt

Regeneriert oder degeneriert mein Boden? Wie wirken sich meine täglichen Managemententscheidungen auf mein Land aus? Woran kann ich erkennen, wie gut meine Ökosystemprozesse funktionieren?

Diesen Fragen lassen sich u.a. mit der Ecological Outcome Verification (EOV) beantworten. EOV ist ein ökologisches Monitoring, das die Funktion der Ökosystemprozesse beurteilt – also, wie gut Wasser-, Mineralienkreislauf, Energiefluss und die Gemeinschaftsdynamiken auf meinen Flächen funktionieren. Der Fokus liegt dabei nicht auf einer bestimmten Praktik, sondern auf den Ergebnissen, die die angewandten Praktiken hervorrufen.

Was ist die Ecological Outcome Verification (EOV) des Savory Institute?

Mit dem Monitoring anhand „Ecological Outcome Verification“ (EOV) des Savory Institute können Landwirte und Landwirtinnen beurteilen und zeigen, dass ihre Landbewirtschaftungspraktiken positive Auswirkungen auf die Umwelt haben. EOV verwendet dabei eine Reihe von Indikatoren, um die Gesundheit und Produktivität des Ökosystems an meinem Standort zu bewerten. Kurz gesagt können wir damit überprüfen, ob unsere Praktiken der Landbewirtschaftung das Ökosystem, das Land und den Boden regenerieren.

EOV kann dabei Landwirt:innen auf verschiedene Weise unterstützen:

  • durch die Bereitstellung eines Vorgehens zur Bewertung der Wirksamkeit angewendeter Landbewirtschaftungsmethoden und Praktiken hinsichtlich Erhöhung der Widerstandsfähigkeit des Landes gegenüber Klimawandel und anderen Störungen – also, ob das Land regeneriert oder degeneriert.
  • durch Aufzeigen der ökologischen Vorteile unserer Praktiken gegenüber Verbrauchern und anderen Interessengruppen.
  • durch die Bereitstellung eines Tools, mit dem Landwirte ihre Produkte unter dem Aspekt der Umweltverträglichkeit vermarkten können.
  • Zusätzlich erhalten Landwirte darüber Zugang zu Fachwissen und Ressourcen,
    z. B. Trainings, Vernetzungs- und Vermarktungsmöglichkeiten sowie Anerkennung für ihre Anstrengungen bei der Erhaltung der Umwelt.

Für wen ist das EOV gedacht?

EOV (Ecological Outcome Verification) steht Landwirten und Landwirtinnen sowie anderen Landbewirtschaftern zur Verfügung, die bei der Bewirtschaftung ihrer Flächen ganzheitliche Bewirtschaftungsmethoden anwenden oder anwenden möchten. Fokus liegt dabei auf Flächen, auf denen es nicht oder nicht mehr zu häufigen, tiefeingreifenden Bodenbearbeitungen kommt, also z.B. Grünland, Acker mit minimaler Bodenbearbeitung, Streuobstwiesen, Weinberge, Agroforst- und silvopastorale System und weiteres.

Um EOV nutzen zu können, arbeitet ein Landwirt mit einem lokalen EOV-Monitor zusammen, um gemeinsam das eigene Land durch die Ökosystemprozesse und die entsprechenden Indikatoren innerhalb EOVs zu bewerten. Landwirt und Monitor sammeln dabei qualitative und quantitative Daten über das Land, z.B. über Bodenbedeckung, Wasserinfiltration und biologische Vielfalt, und nutzen diese Daten zur Auswertung der Gesundheit und Produktivität des Landes. Die Monitore stellen den Landwirten anschließend einen Bericht zur Verfügung, der die Ergebnisse enthält. Gemeinsam wird besprochen, welche Erkenntnisse daraus für das Management gewonnen werden können.

Landwirte, die das Land mit Hilfe von EOV monitoren, können somit die Ergebnisse der Bewertung nutzen, um die eigenen Praktiken und Maßnahmen anzupassen.

Zusätzlich können sie damit Verbrauchern und anderen Interessengruppen die ökologischen Wirkungsweisen ihrer Praktiken für den Aufbau von Widerstandsfähigkeit des Ökosystems darstellen.

Wichtig ist, dass EOV keine Zertifizierung ist, sondern vielmehr ein Verifizierungsverfahren zur Bewertung der eigenen ökologischen Ergebnisse. EOV konzentriert sich nicht auf die Bewertung von Landbewirtschaftungspraktiken. Dieser Ansatz unterscheidet sich dadurch von Zertifizierungen, wie z.B. der Bio-Zertifizierung, die sich darauf konzentrieren, die Anwendung bestimmter Praktiken zu bescheinigen.

Da es sich auf die Bewertung ökologischer Ergebnisse und nicht auf bestimmte Praktiken konzentriert, kann EOV an den jeweiligen Kontext, an verschiedene Arten von Land und unterschiedliche Bewirtschaftungspraktiken angepasst werden. Dadurch ist es für eine Vielzahl von Landbewirtschafter:innen nützlich, unabhängig von den spezifischen Bewirtschaftungsmethoden oder Betrieben.

EOV gibt Landwirten und Landwirtinnen ein Instrument an die Hand, mit dem sie die ökologischen Ergebnisse ihrer Landbewirtschaftungspraktiken bewerten und den Umweltnutzen ihrer Praktiken gegenüber Interessengruppen nachweisen können.

Wie funktioniert EOV im Detail?

Ecological Outcome Verification (EOV) verwendet eine Reihe messbarer Indikatoren, um die Gesundheit und Produktivität von Flächen zu bewerten, die mit ganzheitlichen Bewirtschaftungsmethoden bewirtschaftet werden. Landwirte haben damit eine klare und zuverlässige Möglichkeit, sich selbst sowie Verbrauchern und anderen Interessengruppen die regenerative Wirkung ihrer Praktiken aufzuzeigen.

Der EOV-Prozess umfasst in der Regel die folgenden Schritte:

  1. Erstbewertung: Ein geschulter und zertifizierter EOV-Monitor sammelt gemeinsam mit dem Landwirt Daten zu einer Vielzahl von Indikatoren auf dem Land. Die Indikatoren beruhen auf wissenschaftlichen Grundsätzen und ermöglichen eine transparente und objektive Bewertung der Gesundheit des Landes.
  2. Gemeinsame Auswertung der Daten: Die gesammelten Daten werden analysiert, um die Gesundheit und Produktivität des Bodens zu beurteilen – anhand einer Reihe festgelegter Kriterien. Der Monitor stellt dem Landwirt einen Bericht zur Verfügung, in dem die Ergebnisse des Monitorings zusammengefasst sind. Gemeinsam entwickeln sie Maßnahmen zur Verbesserung des Zustands und der Produktivität des Landes.
  3. Überprüfung der eigenen Bewirtschaftung: Die Landbewirtschafter können den Bericht vor allem verwenden, um Bereiche zu identifizieren, in denen sie ihre Praktiken verbessern können, und um die Fortschritte im Laufe der Zeit zu verfolgen. Zusätzlich können damit auch die ökologischen Ergebnisse gegenüber Interessengruppen wie Verbrauchern, Aufsichtsbehörden und Investoren aufgezeigt werden.
  4. Folge-Monitorings: Das Monitoring wird jährlich wiederholt, um den Trend der ökologischen Ergebnisse und die Veränderungen des Landes zu verfolgen und darzustellen – und damit den regenerierenden Effekt zu erkennen.

Wie kann ich mit EOV beginnen?

Wenn du Landwirt oder andere Landbewirtschafterin bist und dich für die Anwendung des EOV-Programms (Ecological Outcome Verification) des Savory Institute interessierst, kannst du in folgenden Schritten vorgehen:

  • Informiere dich über das Programm: Mach dich mit der Methode und ihren Anforderungen vertraut, indem du die Website des deutschsprachigen Hubs Land Regeneration oder die des Savory Institute besuchst und dich über den EOV-Prozess und die Indikatoren informierst.
  • Finde deinen regionalen Hub mit EOV-Monitoren: Suche nach dem lokalen Hub in deiner Region, der für die Durchführung von EOV geschult und zertifiziert ist. Für den deutschsprachigen Raum ist dies Land Regeneration. Eine Liste aller lokalen Hubs findest du auf der Website des Savory Institute.
  • Plane ein Monitoring: Setze dich mit deinem regionalen Hub in Verbindung, um das Vorgehen, die Anforderungen und die Zeit für das Monitoring deines Betriebs und deiner Flächen zu vereinbaren.

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