Die Zukunft der Landwirtschaft

Unser Grundproblem ist die Zerstörung der Welt, verursacht durch einen unüberbrückbaren Widerspruch zwischen der natürlichen Welt und der technisierten Welt des Industrialismus. Inwieweit dieser Schaden durch wirtschaftliche und kulturelle Veränderungen behoben werden kann wird sich zeigen.

Die industrielle Zerstörungswut ist jedenfalls unsere Krankheit. Die meisten unserer populärsten Sorgen – Klimawandel, Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, Umweltverschmutzung, Armut, Hunger und die verschiedenen Formen der legitimen Gewalt – sind Symptome. Wenn wenn wir zum Beispiel einen unbegrenzten Vorrat an billiger, sauberer Energie bekämen würden wir unsere Zerstörung der Welt durch landwirtschaftliche Erosion, chemische Vergiftung, industrielle Kriege, industrielle Freizeitgestaltung und verschiedene Formen der „Entwicklung“ weitermachen, wenn nicht sogar beschleunigen.

Und es hat keinen Sinn zu sagen, dass wir, wenn wir die Atombombe erfinden und zum Mond fliegen können, auch den Hunger und die damit verbundenen Probleme der Landnutzung lösen können.

Epische Meisterleistungen der Technik erfordern nur ein paar brillante Techniker und eine Menge Geld.

Aber um eine Welt von Menschen Jahr für Jahr und für lange Zeit zu ernähren, braucht man Kulturen der Landbewirtschaftung, die an die Natur von Millionen von einzigartigen kleinen Orten angepasst sind – genau die Art von Kulturen, die der Industrialismus absichtlich entwertet, entwurzelt und zerstört hat.

So schwer es für eine abgetrennte, ungebildete, konsumorientierte Gesellschaft auch sein mag zu akzeptieren und ihren Lieblingsökonomen zu glauben, ist die Zukunft der Lebensmittel nicht von der Zukunft des Bodens zu unterscheiden, die wiederum ununterscheidbar von der Zukunft der menschlichen Versorgung ist. Sie hängt letztlich von der Gesundheit der Ökosphäre ab und nicht von der des Finanzsystems.

Im Interesse dieser Gesundheit müssen wir alle Disziplinen, alle Künste und Wissenschaften mit der Natur der Orte in Einklang bringen. Wie andere Arten werden wir uns der Notwendigkeit der lokalen Anpassung unterwerfen. Ich bin sicher, dass sich jemand wünscht mich an die Wanderungen von Vögeln, Tieren und Insekten und auch an die Wanderungen des Menschen aus frühester Zeit zu erinnern.

Hätte dies lokale Anpassung zur Folge?

Ja, mit Ausnahme der Wanderungen der Industriemenschen, die fossile Brennstoffe nutzen, haben alle diese Wanderungen unter der Regel der lokalen Anpassung stattgefunden. Der Kolibri, der erfolgreich den Golf von Mexiko überquert, hat sich Meile für Meile an die Entfernung angepasst; er übersteigt nicht seine eigenen geistigen und körperlichen Fähigkeiten und er macht die Reise, genau wie vorindustrielle menschliche Energie. Für die Menschen ist die lokale Anpassung keine Arbeit für ein paar Finanziers und ein paar einige intellektuelle und politische Überflieger. Sie ist eine Arbeit für alle und erfordert die Intelligenz aller.

Es ist eine Arbeit, die von Natur aus demokratisch ist.

Was müssen wir tun?

Erstens dürfen wir nicht in heroischen Dimensionen arbeiten oder denken. In unserem Zeitalter des globalen Industrialisierung riskieren Helden zu leichtfertig das Leben von Menschen, Orten und Dingen, die sie nicht sehen. Wir müssen in einem Maßstab arbeiten, der unseren begrenzten Fähigkeiten entspricht. Wir dürfen keine Dinge zerstören, die wir nicht reparieren können. Es gibt keine Rechtfertigung, niemals, für dauerhafte ökologische Schäden.

Wenn uns das den Schuldspruch auferlegt, dann soll es so sein.

Zweitens müssen wir uns von der homöopathischen Illusion verabschieden, dass die Schäden die durch die Industrialisierung entstanden sind, durch noch mehr Industrialisierung behoben werden können.

Drittens müssen wir aufhören, unsere Probleme zu lösen, indem wir „weitermachen“. Wir müssen versuchen zu bleiben wo wir sind – geographisch, historisch und ökologisch.

Viertens müssen wir, wenn wir können, die Ursachen und Kosten unseres eigenen wirtschaftlichen Leben kennen.

Fünftens müssen wir die Vorstellung aufgeben, dass wir zu gut sind, um unsere eigene Arbeit zu machen und unseren eigenen Dreck wegzumachen. Es ist nicht akzeptabel, dass diese Arbeit für uns erledigt wird, durch Lohnsklaverei oder durch die Versklavung der Natur.

Sechstens, als Korrektur, müssen wir lokal angepasste Ökonomien schaffen, die auf lokaler Natur, lokalem Sonnenlicht, lokaler Intelligenz und lokaler Arbeit beruhen.

Siebtens: Wir müssen verstehen, dass diese Maßnahmen radikal sind. Sie gehen an die Wurzel unseres Problems. Sie können nicht von irgendeinem Experten, politischen Führer oder einem Unternehmen durchgeführt werden.

Es handelt sich um eine Agenda, die jederzeit von normalen Bürgern in Angriff genommen werden kann, auf ihre eigene Initiative hin. In der Tat handelt es sich um eine Anstrengung, die bereits in der Welt von vielen Menschen unternommen werden. Sie definiert auch die Erwartung, dass Bürger die durch ihre Gaben außergewöhnlich sind, sich nicht vor den bescheidensten Diensten drücken.

(2011)

* Eine Rede für die Future of Food Conference an der Georgetown University,
Washington, D.C., am 4. Mai 2011

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