Regenerative Landwirtschaft als Lösung

Regenerative Landwirtschaft ist überlebensnotwendig! Ohne sie werden die meisten Böden in ca. 50–60 Jahren schlichtweg „kaputt“ sein – weg erodiert, unfruchtbar, verwüstet. So sieht das zumindest eine UN-Studie der FAO.

Inhalt

Herkömmliche Landwirtschaft (sowohl konventionell als auch bio) setzt sehr häufig exzessive Bodenbearbeitung ein, um z.B. dem Unkrautdruck entgegenzutreten. Es wird also gepflügt, gegrubbert und gefräst was das Zeug hält. Dies führt dazu, dass der Boden an sich und die Bodenbiologie zerstört, der Boden also unfruchtbarer und anfällig für Wind- und Wassererosion wird. Monokulturen – egal ob pflanzliche oder tierische – haben dieselben Auswirkungen. Nicht-regenerative Landwirtschaft dient also nicht der Bodengesundheit.

Für gesündere Pflanzen, Tiere und Menschen benötigen wir aber vor allem eines: gesündere Böden! Diese stehen bei der regenerativen Bodenbearbeitung im Mittelpunkt.

In Deutschland ist der Begriff „regenerative Landwirtschaft“ etwas schwierig. Wir von Soilify verstehen unter einer regenerativen Landwirtschaft vor allem die internationale Bedeutung von „regenerative agriculture“, was kurz gesagt heißt: Den Boden nicht bewegen – also nicht pflügen und grubbern und nicht fräsen. Die Methoden, die dabei zu Einsatz kommen, heißen Striptill, Mintill und Notill im Amerikanischen – Streifenweise Bodenbearbeitung, Mulchsaat und Direktsaat in Deutschland.

Die fünf Prinzipien der regenerativen Landwirtschaft

  1. möglichst keine Bodenbearbeitung
  2. permanente organische Bodenbedeckung und Durchwurzelung des Bodens
  3. Förderung der Biodiversität
  4. verringerter Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Kunstdüngern
  5. Integration von Tierhaltung

Regenerative Landwirtschaft ist Kreislaufwirtschaft

Die regenerative Landwirtschaft denkt und arbeitet in Kreisläufen. Dabei ist alles gleich wichtig und gleichwertig. Wir brauchen Pflanzen als hochwertige Nahrungsmittel für uns und unsere Nutztiere. Und wir brauchen Tiere zur Bereitstellung hochwertiger Nahrungsmittel für uns und für die Pflanzen!
Tiere produzieren Nahrungsmittel für die Pflanzen, die wir und die Tiere selbst verwerten. Denn Tierdung versorgt den Boden mit den notwendigen vollwertigen und gesunden Nährstoffen für gesunde Pflanzen.
Für eine möglichst große Biodiversität in unseren Kulturlandschaften brauchen wir eine möglichst diverse Tierhaltung. Herden von Wiederkäuern können auch große Flächenbrände in Steppen oder Naturschutzgebieten verhindern, indem sie das alte trockene Gras wegfressen und heruntertrampeln. Durch die Hinterlassenschaften der Tiere entsteht ganz nebenbei neues Grün. Dahinter steht eine Jahrmillionen andauernde Entwicklung namens Evolution. Dieses System ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten, sowie für den Planeten an sich. Das Prinzip der Kreislaufwirtschaft lässt sich mit regenerativen Landwirtscahft hochproduktiv nachahmen.

Was genau bewirkt eine regenerative Landwirtschaft?

  • gesündere Nahrungsmittel, sowohl pflanzliche als auch tierische
  • eine hohe Biodiversität in unseren Kulturlandschaften
  • eine würdige und artgerechte Haltung von Tieren
  • höhere Speicherfähigkeit von Wasser
  • Verbesserung regionaler Wasserkreisläufe, somit seltener Dürren und Klimaextreme
  • Verhinderung der Bodenerosion – eine der größten Herausforderungen unserer Zeit
  • Umkehrung des Klimawandels (z.B. ist der Boden eine der größten Kohlenstoff-Senken – so binden die im Boden vorhandenen Pilze bis zu 70 Prozent des aus der Photosynthese gebundenen Kohlenstoffs der Pflanzen)

Eine ganzheitliche regenerative Landwirtschaft heilt unsere Erde

Die regenerative Landwirtschaft muss unabdingbar ganzheitlich gedacht werden!

Und alles beginnt und endet mit dem Boden – auf englisch: Soil. Ein gesunder Boden führt zu gesunden Pflanzen und zu gesunden Tieren. Und das führt zu einem gesunden Klima und schlussendlich zu gesunden Menschen.

Gesündere Böden haben wir nur dann, wenn wir Tierdung zur Verfügung haben UND Pflanzenreste UND Kompost UND das unfassbar vielfältige und übervolle Leben in den Böden: die Regenwürmer, die Pilze, die Bakterien und alle anderen Mikroorganismen.

In der Natur läuft das ungefähr so (sehr simplifiziert ausgedrückt): Tiere fressen die Pflanzen und ernähren mit ihren Ausscheidungen die Mikroorganismen im Boden. Die Regenwürmer ziehen die Pflanzenreste in den Boden, wo diese von den Mikroorganismen zu Nahrung für die Regenwürmer verarbeitet werden. Die Ausscheidungen der Würmer dienen wiederum als Nahrung für die Pflanzen.

Und natürlich brauchen alle noch etwas Entscheidendes: Wasser. Auf bearbeiteten Böden läuft Wasser entweder einfach ab oder schwemmt den Mutterboden gleich mit davon. Unbearbeiteter Boden speichert das Wasser deutlich besser und ist durch seine Pflanzenbedeckung so stabil, dass keine Bodenerosion stattfinden kann. Übrigens verhindert die Pflanzendecke auch, dass der Humus im Boden durch die Sonneneinstrahlung verbrennt. Die Natur kennt keine nackten Böden.

Und der unbearbeitete und mit Grünpflanzen bedeckte Boden bindet zudem enorme Mengen an Kohlenstoff – vor allem die darin lebenden Pilzgeflechte (Mycelien). Wir können den Klimawandel sicherlich nicht stoppen, denn das Klima wandelt sich nunmal. Aber wir können mit den Folgen besser umgehen. Die durch den Klimawandel vermehrt auftretenden Starkregenereignisse führen oft zu extremer Bodenerosion, was durch eine permanente organische Bodenbedeckung und Durchwurzelung verhindert werden kann.

Wenn wir den Boden pflügen oder anderweitig mechanisch verarbeiten, dann zerstören wir diese natürlichen Kreisläufe. Mit allen katastrophalen Folgen. Hier gilt die Devise „weniger ist mehr“. Je weniger der Boden bewegt wird, desto besser.

Ist Veganismus hilfreich, um den Planeten zu retten?

Eine (zugegeben provokante) These dazu: Wenn alle Menschen sich nur noch rein pflanzlich ernährten – etwas, das heutzutage ja häufig gefordert und als „Klimarettung“ dargestellt wird – dann wären wir in wenigen Jahren alle verhungert. Womöglich noch schneller als würden wir weitermachen wie bisher mit all den Monokulturen und der exzessiven Bodenbearbeitung.

Würden alle Menschen sich rein pflanzlich ernähren, würden Tiere nur noch gehalten, um Tierdung zu produzieren. Denn der ist, wie wir wissen, absolut notwendig für gesunde pflanzliche Nahrungsmittel. Der Biolandwirt verwendet ausschließlich tierische Dünger (und Kompost), denn Kunstdünger ist ja nicht Bio.

Wenn wir nun aber nur noch die Ausscheidungen der Tiere als Dünger für die Pflanzen verwenden, wäre das eine gigantische Verschwendung. Denn alles, was uns die Tiere geben, alles was sie produzieren, wie Eier, Milch und auch ihr Fleisch und ihre Haut und ihre Felle – all das müssten wir wegwerfen.

Das wäre ein ebenso großer Irrsinn wie nur noch Fleisch zu essen und alles sonst wegzuwerfen: all die Eier, die Milch und all die Pflanzen.

Würden wir keine tierischen Produkte mehr verzehren, führt dies auch unweigerlich dazu, dass Tierdung extrem teuer wird. Denn alle anderen wertvollen Produkte würden weggeworfen werden und tragen nicht mehr zur Kostendeckung in der Landwirtschaft bei. Durch den teuren Tierdung steigen die Preise für pflanzliche Nahrung in Sphären, die sich kaum mehr jemand leisten kann. Noch höher als derzeit ohnehin schon.

Kann Mineraldünger Tierdung ersetzen?

Ein Verzicht auf tierische Nahrungsmittel könnte weiterhin dazu führen, dass Tiere aus der Landwirtschaft verschwinden, da es sich nicht mehr lohnt, sie zu züchten und zu halten. Das wäre nicht nur ein trostloses und trauriges Leben, sondern auch eines, das schlussendlich mit dem Untergang endet. Denn ohne Tierdung müssten alle Pflanzen mit Kunstdünger (Mineraldünger) gefüttert werden. Das wäre ungefähr so, als ernährten wir uns selbst nur noch von Salz und Zucker – also von Chips und Cola.

Die Pflanzen werden mit reiner Kunstdüngergabe mit der Zeit immer schwächer und verkümmern, und mit ihnen sterben die Böden. Die Kreisläufe wären nicht mehr geschlossen. Denn ohne Tierdung gibt es keine Mikroorganismen, also kein Leben im Boden. Mineraldünger ist direkte Nahrung für die Pflanzen, Tierdung ist die Nahrung für die Mikroorganismen, die für die Bodengesundheit sorgen – ihr erinnert euch.

Denselben Effekt haben wir übrigens bei Monokulturen, und es ist dabei egal, ob das pflanzliche oder tierische Massenhaltungen sind. Monokulturen führen immer zu toten Böden.

Wir brauchen also Diversität für gesunde Kreisläufe. Und wir dürfen die Kreisläufe der Natur nicht zerstören, indem wir einen Teil herausnehmen, nämlich die Nutztiere. Das ist eine falsch verstandene Liebe zu Tieren und ein großer Irrtum im Tierschutz.

Ohne Tiere keine gesunde nährstoffhaltige Nahrung für Pflanzen, also auch keine gesunde Nahrung für uns.

Eine Anmerkung zum Thema Kompost als Alternative zu Tierdung: Kompost ist nur eine Transferleistung. Von irgendwo muss das zu kompostierende organische Material ja kommen, um dann irgendwo anders eingesetzt zu werden. Kreislaufwirtschaft sieht anders aus.

Ist Menschen-Dung eine Alternative?

Eine mögliche Alternative wäre Menschen-Dung! Das würde sogar für die Versorgung all unserer Nutzpflanzen mit Nährstoffen reichen, denn es ist ein Kreislauf und dabei geht nichts verloren. Vorausgesetzt, wir schaffen es, jeden einzelnen Haushalt auf der Erde und das komplette Kanalisationssystem so umzubauen, dass der menschliche Dung auch wirklich komplett zu 100 Prozent verwertet werden kann! Heißt, nicht vermengt mit Seife, Duschgel, Reinigern oder Hygieneprodukten.

Klingt utopisch? Ja, sehr.

Und was würde dies für die Biodiversität bedeuten?

Viele Tierarten –> viele Pflanzenarten

Nur noch Menschen-Dung –> deutlich weniger Pflanzenarten


Halten wir fest: Tiere sind ebenso wertvoll wie Pflanzen. Sowohl Tiere als auch Pflanzen sind wertvolle Nahrungsmittel für die Menschen! Und all die Pflanzen und Tiere, die wir essen gibt es nur, weil wir Menschen sie erschaffen haben. Genauer gesagt leisten dies jeden Tag unsere Bauern.

Unsere Bauern sind die eigentlichen Helden in unserer Welt

Das klingt übertrieben? Keinesfalls! Unsere Bauern sind die Hüter und  unserer Nutzpflanzen und unserer Nutztiere. Und sie versorgen uns tagtäglich mit vielfältigsten und hochwertigen Nahrungsmitteln. Und das mit schwerer und entbehrungsreicher Arbeit zu einem oft viel zu geringen Lohn.

Aber sie tun dies aus Überzeugung – und aus Liebe zu ihren Schöpfungen.

Wir durften inzwischen sehr viele Landwirte und Landwirtinnen kennenlernen, die wir interviewt und porträtiert haben. Alle sind sie Menschen, die mit Leidenschaft das tun, was sie lieben.

Ein Ackerbauer liebt seine Pflanzen so sehr, dass ihm ein einziger kranker Halm im Feld in der Seele weh tut. Oder wenn Krähen Babymaispflänzchen herausrupfen, dann hinterlässt jedes einzelne einen schmerzenden Fleck im Herzen des Bauern. Und die Viehbauern, der Schweinezüchter, der Kälber-, Milchkuh und Mastbullenbauer, der Pferdezüchter und Geflügelhalter, sie alle lieben das was sie tun – sie alle lieben ihre Tiere.
Und es gibt jene Bauern, die außer ihren Pflanzen und Tieren auch ihre Maschinen lieben und so begabt, kreativ und fähig sind, eigene Maschinen zu entwickeln und teilweise sogar zu bauen. Ein Beispiel hierfür ist Alexander Klümper, der nicht nur die Pflanzen liebt und für sie jeden Tag alles gibt, sondern nebenbei auch seine eigene Direktsaatmaschine entwickelt hat.

Unsere Landwirte züchten und pflegen gesunde Pflanzen und Tiere. Somit sorgen sie für gesunde Menschen. Und ein gesundes Klima.

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