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Konservierende Landwirtschaft – Das sagt die Wissenschaft

Wie schaffen wir es Bodenfruchtbarkeit nachhaltig aufzubauen? Rolf Derpsch und Kollegen haben konkrete Antworten.

Die Bodenerosion im Fokus

Rolf Derpsch hat mir ans Herz gelegt, dass wir mit soilify den Fokus mehr auf Bodenerosion setzen sollten. Wie ist also der Zustand unserer Lebensgrundlage? Wie können wir besser wahrnehmen, was passiert? Und wie können wir Bodenfruchtbarkeit nachhaltig aufbauen?

Er konnte mir auch von der Veröffentlichung einer wissenschaftlichen Arbeit berichten, die er gemeinsam mit Kollegen veröffentlichen konnte.

Damit auch im deutschsprachigen Raum mehr Menschen Zugang zu dieser Arbeit erhalten, haben wir einige Abschnitte übersetzt und die Originalveröffentlichung verlinkt.

Die konservierende Landwirtschaft ist die Grundlage für die regenerative Landwirtschaft und basiert lediglich auf Prinzipien. Aus dem Grund bedarf sie weder eines Regulariensystems, eines Konsens noch einer festen Definition.

Rolf Derpsch und Direktsaat

Rolf gehört zu den Pionieren, die Direktsaat in Brasilien und Lateinamerika im Jahre 1971 in Versuchen erforscht haben. Dafür arbeitete er auch mit Herbert Bartz zusammen. Er ist in Chile geboren, hat rheinländische Wurzeln und ist im Herzen ein Abenteurer – stets in voller Verbundenheit mit der Liebe zum Leben. 

Die Überschrift seines neusten wissenschaftlichen Papers lautet: “Nature’s Laws of Declining Soil Productivity and Conservation Agriculture”. Auf Deutsch: Die Naturgesetze der abnehmenden Bodenproduktivität und Konservierende Landwirtschaft.

An dieser wissenschaftlichen Arbeit haben mitgewirkt:
Rolf Derpsch, Amir Kassam, Don Reicosky, Theodor Friedrich, Ademir Calegari, Gottlieb Basch, Emilio Gonzalez-Sanchez und Danilo Rheinheimer dos Santos.

Konservierende Landwirtschaft als mögliche Lösung

Die wissenschaftliche Arbeit fasst es wie folgt zusammen:
Die Böden sind für die Landwirtschaft und die natürlichen Ökosysteme von entscheidender Bedeutung und bedürfen des Schutzes und der Einhaltung der Prinzipien der Natur. 

Ziel dieser Arbeit ist zu verstehen, wie die Natur mit Ressourcen umgeht. Sie beschreibt die Bewirtschaftung des lebenden Bodens und ihrer Produktivität sowie die Gesetze der Natur als Leitlinien für die Bewirtschaftung.

Diese Leitlinien bilden die Grundlage für moderne Systeme der konservierenden Landwirtschaft (Conservation Agriculture, abgekürzt: CA), die durch drei Prinzipien gekennzeichnet sind:

  1. dauerhaft keine oder minimale Bodenbewegung
  2. dauerhafte Bodenbedeckung mit Biomasse
  3. biologische Vielfalt in den Fruchtfolgen

Die Prinzipien bilden die Grundlage für den Schutz vor Degradation und für die Erhaltung der Produktivität. 

Historisch wurde die Bodenbearbeitung als notwendiger Bestandteil der Landwirtschaft angesehen; sie stellt jedoch die Hauptursache für die Verschlechterung unserer Böden dar.

Die negativen Auswirkungen der Bodenbearbeitung auf die Gesundheit und die Funktion des Bodens mögen unbedeutend erscheinen. Ihre kumulativen Auswirkungen führen aber im Laufe der Zeit zu einer erheblichen Verschlechterung der Bodenqualität und zu Produktivitätsverlusten. 

Bodenbearbeitung in jeder Form und Intensität zerstört die biologischen, physikalischen, chemischen und hydrologischen Eigenschaften des Bodens. Dauerhafte mechanische Bodenbearbeitung findet in natürlichen Ökosystemen nicht statt. 

In CA-Systemen werden die natürlichen Bedingungen nachgeahmt – sowohl von großen als auch kleinen Landbesitzern weltweit. 2018/19 wurde CA auf mehr als 205 Millionen Hektar in mehr als 100 Ländern praktiziert.

Die Auswirkungen des Klimawandels und der Bodenbearbeitung auf die Nahrungsmittelproduktion und die Umweltzerstörung erfordern die Anwendung von naturbasierten Lösungen wie der konservierenden Landwirtschaft.

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Vorteile der konservierenden Landwirtschaft

Nach jahrzehntelanger Praxis durch Landwirte weltweit und mit Unterstützung der Forschung gibt es ausreichende wissenschaftliche und praktische Beweise, die folgendes zeigen:

a) Bodenbearbeitung ist nicht notwendig, um eine Ernte zu erzielen. Dies kann in Naturschutzgebieten beobachtet werden, die eine hohe Biomasse ohne Bodenbearbeitung produzieren. Bei der Bodenbearbeitung kann die nackte Bodenoberfläche und der lockere Oberboden mit degradierter Bodenbiologie intensiven, erosiven Regenfällen oder Wind nicht standhalten, sodass kontinuierlich Boden durch Erosion verloren geht.

b) CA hat positive Auswirkungen auf chemische, physikalische, hydrologische und biologische Bodeneigenschaften, verbessert die Bodenqualität und -funktion mit der Zeit, wenn sie richtig praktiziert wird und die Naturgesetze der Bodenproduktivität respektiert werden.

c) CA spart erhebliche Mengen an fossilen Brennstoffen (bis zu zwei Drittel), spart Arbeit und Zeit und zeigt nach Erreichen des Bodengleichgewichts im Allgemeinen höhere Produktivitäten und wirtschaftliche Erträge als andere Ackerbausysteme.

d) CA ist ein effizientes System zur Kontrolle der Bodendegradation und zur Vermeidung von Bodenerosion, was ein Grund für die hohe Akzeptanz ist.

e) Der ökologische Landbau mit Bodenbearbeitung erfreut sich bei den Landwirten generell zunehmender Beliebtheit, vor allem aufgrund staatlicher Subventionen und der höheren Preise, die die Landwirte für ihre Produkte erzielen. Allerdings ist die intensive Bodenbearbeitung zur Unkrautbekämpfung und Mineralisierung von Nährstoffen aus der organischen Substanz des Bodens nicht nachhaltig, da sie die physikalischen, chemischen und biologischen Bodeneigenschaften sowie die Bodenqualität verschlechtert und zu Bodendegradation und Bodenerosion führt. 

Glücklicherweise entwickeln immer mehr Landwirte ein CA-System, was auch ohne den Einsatz synthetischer Pestizide funktionieren kann. In einigen Fällen bedeutet dies eine schrittweise Reduzierung von Bodenbearbeitung und den Einsatz externer chemischer Mittel, bis die Gesundheit und Qualität des Bodens wiederhergestellt sind.

Warum verändern die Bauern etwas?

Die Akzeptanz der revolutionären Direktsaat- und CA-Konzepte, die auf eine 10.000 Jahre alte Tradition des Ackerbaus basiert, ist nicht unproblematisch. 

Skepsis gegenüber neuen Ideen und Technologien ergibt sich oft zum Teil aufgrund unbekannter Risiken und zum Teil aufgrund eines mangelnden Verständnisses der neuen Bewirtschaftungsdetails. 

Entscheidend für die Akzeptanz von CA-Prinzipien sind Demonstrationsflächen und Mentoren, die Pionierarbeit leisten, sowie die direkte Kommunikation von Landwirt zu Landwirt. 

Der Erfolg und die Glaubwürdigkeit der Pionier-Landwirte und die Entwicklung von Netzwerken unter der Leitung von Landwirten ist entscheidend für die Akzeptanz von CA.

Die von den Landwirten betriebene Forschung führte zu einer größeren Pflanzenvielfalt, die zu einer größeren Widerstandsfähigkeit gegenüber Umweltrisiken beiträgt und in den meisten Fällen zu einem geringeren Einsatz von Chemikalien führte. 

Es folgen einige Beispiele für Antworten, die wir von den meisten Landwirten erhalten, warum sie die CA-Prinzipien und Praktiken akzeptieren. 

Allesamt sind gute Gründe, um auf Bodenbearbeitung zu verzichten.

Gründe um auf Bodenbearbeitung zu verzichten

– Ich verbringe so viel weniger Zeit auf dem Traktorsitz.

– Jetzt habe ich mehr Zeit für eine bessere Verwaltung meines landwirtschaftlichen Betriebs.

– Ich kann so viel mehr Zeit mit meiner Familie verbringen.

– Ich benötige weniger landwirtschaftliche Leistung, so dass ich für die Direktsaat einen kleineren Traktor kaufen kann, als wenn ich den Boden für die Aussaat pflügen müsste.

– Durch die Einführung des Direktsaatsystems benötige ich weniger Landarbeiter, was die Produktionskosten senkt.

– Durch die Konsolidierung des CA-Systems auf Betriebsebene kann ich die Anbaufläche vergrößern oder sogar landwirtschaftliche Dienstleistungen für andere Landwirte anbieten.

– Wenn ich den Boden nicht bearbeite, kann ich die Lebensdauer meines Traktors von etwa 10 auf 20 oder 30 Jahre verdoppeln oder verdreifachen.

– Die Feldarbeiten senken meine Dieselkosten um zwei Drittel.

– Mit der Direktsaattechnik habe ich Erosion und Bodenverschlechterung fast vollständig gestoppt.

– Meine Bodentests zeigen, dass der Gehalt an organischer Substanz im Boden gestiegen ist und sich die Bodenqualität verbessert hat. Infolgedessen sind auch die Ernteerträge gestiegen.

– Es ist ein bisschen mehr Denkarbeit, Organisation und Management erforderlich, aber es ist so befriedigend!

– Das Endergebnis! Meine fixen und variablen Kosten sind geringer und ich verdiene mehr Geld!

Anja Wagner

Als Naturwissenschaftlerin ist Anja Tag für Tag dabei, das Leben neu zu entdecken und zu erforschen. Sie ist begeistert von den Zusammenhängen der Nahrungsmittelqualität, der menschlichen Gesundheit und dem Zustand des Bodens. Mit Ende ihres Studiums hat sie sich selbstständig gemacht. In der Essenz all ihres Handelns geht es ihr darum, wieder gesunde Lebensräume zu schaffen, so dass der Mensch wieder seine ursprünglichen Wurzeln leben kann. Mit soilify möchte sie Landwirte ermächtigen, ihre Betriebe sowohl ökonomisch, sozial als auch ökologisch auf gesunde Beine zu stellen und Wohlstand, Gesundheit und Unabhängigkeit von Grund auf zu schaffen.

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