10 Schritte für die erfolgreiche Umsetzung der Direktsaat

Wollen wir den Landwirten die Möglichkeit geben auf dem Lande zu überleben, und soll eine nachhaltige und wirtschaftlich tragbare Landwirtschaft erreicht werden, dann müssen die Paradigmen der landwirtschaftlichen Produktion und des Bodenmanagements geändert und neue Praktiken eingeführt werden.

Inhalt

Traditionelle Bodenbearbeitungsverfahren mit intensiver Bodenbearbeitung führen früher oder später durch Humusabbau, Reduzierung der bodenbiologischen Aktivität und/oder Erosion zu Bodendegradierung und Produktivitätsverlusten. Arme Böden haben arme Landwirte zur Folge. Direktsaat (oder engl. No-till) dagegen, also der völlige Verzicht auf jegliche Bodenbearbeitung, ist ein System, in dem die Erosion vermieden, der Humusgehalt erhöht, die mikrobielle Biomasse im Boden wieder aufgebaut, die Bodenstruktur verbessert und folglich die Bodenfruchtbarkeit erhöht wird.

Die Paradigmen des Ackerbaus der Vergangenheit

 1.  Pflanzenbau ist nur mit Bodenbearbeitung möglich. 
2.  Pflanzenrückstände sind ein Abfallprodukt. Verkaufen oder Vergraben der Pflanzenrückstände mit Bodenbearbeitungsgeräten sind die Norm. 
3.  Brennen von Pflanzenrückständen erlaubt. 
4.  Nackter Boden über Wochen und Monate.
5.  Bodenchemische Prozesse im Vordergrund. 
6.  Pflanzenschutz vorzugsweise chemisch. 
7.  Gründüngung und Fruchtfolge als Option.
8.  Bodenerosion wird als unvermeidbarer Prozess, der mit dem Ackerbau verbunden ist, akzeptiert (die Erosion wird durch starke Regenfälle oder starken Wind erzeugt).

Die Paradigmen der Vergangenheit resultieren in einer Ausbeutung und Degradation des Bodens. Unter diesem System ist eine nachhaltige Bodennutzung nicht möglich, weder ökologisch, sozial noch wirtschaftlich)
Derpsch, 1999

Die Paradigmen der Vergangenheit müssen nun den Paradigmen der Zukunft weichen.

Der Direktsaat-Maschinenhersteller Novag auf der Soil Evolution 2022
Der Direktsaat-Maschinenhersteller Novag auf der Soil Evolution 2022

Die Paradigmen des Ackerbaus der Zukunft

  1. Bodenbearbeitung ist für die Pflanzenproduktion nicht erforderlich. Die starke Verbreitung der Direktsaat (No-Till) weltweit zeigt, dass diese Verfahren möglich und erfolgreich sind.
  2. Pflanzenrückstände sind wertvolle Produkte, die als Mulch an der Bodenoberfläche verbleiben müssen.
  3. Brennen von Pflanzenrückständen verboten.
  4. Ganzjährige Bedeckung des Bodens mit Pflanzenrückständen oder lebenden Pflanzen.
  5. Bodenbiologische und nicht chemische Prozesse im Vordergrund.
  6. Pflanzenschutz vorzugsweise biologisch.
  7. Gründüngung und Fruchtfolge als Muss.
  8. Bodenerosion ist nichts anderes als ein Symptom dafür, dass ein für den Standort und das Ökosystem nicht angepasstes Anbausystem zur Anwendung gekommen ist (Erosion wird durch nicht standortgerechte Bodennutzung verursacht). Die neuen Paradigmen resultieren in einer rationalen, standortgerechten Landwirtschaft. Unter diesem System wird die Nachhaltigkeit der Bodennutzung gesichert, sowohl ökologisch, als auch sozial und wirtschaftlich.

Da der Boden seit Tausenden von Jahren gepflügt wird, bedeutet der Wechsel zu den neuen Produktionssystemen ohne Bodenbearbeitung einen grundlegenden Mentalitätswandel. Ist ein Landwirt nicht bereit diesen Wandel zu akzeptieren, wird er immer wieder Gründe finden, warum er den Boden bearbeiten muss und wird zu den traditionellen Verfahren der Bodenbearbeitung zurückkehren. 

Dieser Wandel muss im Kopf stattfinden. So lange der Kopf konventionell denkt, wird es schwierig sein Verfahren ohne Bodenbearbeitung (Direktsaat, No-Tillage) in die Praxis umzusetzen.

Die Direktsaat ist nicht eine landwirtschaftliche Praxis oder Technik, sondern es ist ein Konzept des Geistes und des Verstandes, wer nicht daran glaubt wird versagen. 

Bieber (2000)

Mit anderen Worten, wer mit Direktsaat Erfolg haben will muss zuallererst in der Lage sein, den mentalen Wandel zu vollbringen. Ein radikaler Sinneswandel ist für eine erfolgreiche Umsetzung der Direktsaat in die Praxis erforderlich. Dies ist nicht nur wahr für Landwirte sondern auch für Wissenschaftler, Berater, Experten der ländlichen Entwicklung und Politiker. Das Problem ist, alles das zu vergessen was man lebenslang über Bodenbearbeitung gelernt hat. 

Vorurteile gegen das neue System sind sicherlich das größte Hindernis zur Adoption der Direktsaat in den meisten Ländern der Welt. Die Motivation des Landwirtes ist Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Umstellung auf Direktsaat. Da der Begriff Direktsaat unterschiedlich verstanden wird, sollte auf die Definition von Derpsch (2006) zurückgegriffen werden. 

Direktsaat = dauerhaft keine Bodenbearbeitung, nur Aussaat.

Direktsaatmaschine von John Deere
Direktsaatmaschine von John Deere

10 Schritte zur erfolgreichen Umsetzung der Direktsaat / No-Till

  1. Kenntnisse und Erfahrungen sammeln und sich über das gesamte
    Anbausystem, besonders über die Unkrautkontrolle bzw. Beikrautkontrolle informieren.
  2. Bodenuntersuchungen durchführen (Kinsey, Earthfort, eine ausgewogene Nährstoffversorgung und ein adäquater pH-Wert sollten angestrebt werden)
  3. Schlecht dränierte Böden vermeiden (Mindererträge)
  4. Bodenverdichtungen bzw. Pflugsohlen und Fahrspuren beseitigen
  5. Bodenoberfläche einebnen
  6. Bodenbedeckung herstellen (Ernterückstände, Stroh, Zwischenfrucht, etc.)
  7. Direktsaatmaschine kaufen
  8. Auf nur einem Teil der Betriebsfläche anfangen, um Erfahrungen zu sammeln
  9. Ausgewogene Fruchtfolgen mit Gründüngung einsetzen
  10. Neue Entwicklungen beachten. Man muss sich auf einen ständigen
    Lernprozess einstellen und man muss gewillt und bereit sein, ständig dazuzulernen. (Man lernt nicht einmal, wie man Direktsaat macht, und kann es
    dann für immer).
soilify regenerative landwirtschaft
Bodenaggregate in der Direktsaat

Planung und Umstellung auf Direktsaat

Man sollte sich erst einmal klar darüber sein, dass Direktsaat mehr ist als nur auf die Bodenbearbeitung zu verzichten und eine Spezialmaschine für Direktsaat einzusetzen. Direktsaat ist ein völlig neues Anbausystem. Um von einem konventionellen Anbausystem mit Bodenbearbeitung auf Direktsaat überzugehen, bedarf es einer guten Planung, die mindestens ein Jahr vor der tatsächlichen Implementierung beginnen sollte. 

Die letzte Bodenbearbeitung, bevor auf permanente Direktsaat übergegangen wird, muss so gestaltet werden, dass die Bodenoberfläche eingeebnet wird. Direktsaat beginnt mit der Wahl einer geeigneten Kultur, die ausreichend Pflanzenrückstände an der Bodenoberfläche hinterlassen soll und nach der dann ohne jegliche Bodenbearbeitung ausgesät werden kann.

Die Ernte dieser Kultur hat so zu erfolgen, dass die Pflanzenrückstände gleichmäßig über die gesamte Arbeitsbreite des Mähdreschers verteilt werden. Dazu sind nicht nur Stroh-, sondern auch Spreuverteiler am Mähdrescher wichtig.

Wird das Stroh im Schwad hinterlassen, bleibt nur noch das Pressen und Abtragen oder Verbrennen des Strohs. Dies sind die denkbar ungünstigsten Voraussetzungen, um Direktsaat anzufangen. Ausreichend Pflanzenrückstände müssen immer an der Bodenoberfläche verbleiben. Wird Direktsaat auf nacktem Boden praktiziert, ist der Misserfolg vorprogrammiert. 

Die erste Aussaat in Direktsaat sollte nach Kulturen wie Raps, Ackerbohne, Erbsen oder Gründüngung stattfinden, da dies wesentlich leichter und besser als nach Weizen mit einer hohen Mulchauflage bewerkstelligt werden kann. Auch auf die Auswahl einer geeigneten Sorte sollte geachtet werden. Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass aufgrund des Klimas in Deutschland die Direktsaat im Frühjahr oft Probleme bereitet, wogegen die Direktsaat im Herbst problemlos zu bewerkstelligen ist.

Planung für die Umstellung

Die Frostgare schafft dann im Winter auch bei noch niedrigen Humusgehalten eine für das Pflanzenwachstum akzeptable Bodenstruktur, die bei Frühsaaten im Frühjahr unter feuchten Bedingungen vielfach nicht gegeben ist sondern eher dann bei Spätsaaten (Mais), bei trockenem Boden, wo akzeptable Bedingungen wieder gegeben sind. Man sollte sich im Klaren sein, dass bei No-Till der Mineralisierungsschub im Frühjahr klein ist und No-Till-Kulturen deshalb oft einen verspäteten Vegetationsbeginn zeigen. Eine Einflussnahme auf einen früheren Vegetationsstart ist aber durch eine erhöhte erste Stickstoff-Düngergabe möglich. Da die Wirkungen der Bodenbearbeitung zur Unkrautbekämpfung ausfallen, ist es sinnvoll mit solchen Kulturen zu beginnen bei denen zugelassene Herbizide zur Bekämpfung des zu erwarteten Unkrautspektrums verfügbar sind. Da die Bodenoberfläche ja meist mit Rückständen bedeckt ist, müssen es aber blattaktive Mittel sein. Da die Unkräuter (auch Winden) bei Direktsaat im Herbst ihre Blattmasse nicht verlieren, sind sie mit Glyphosat, wenn auch mit höheren Aufwandmengen (oder mit Wuchsstoffmitteln) bekämpfbar.

Es ist leichter Direktsaat mit einer Kultur zu beginnen, in der man eine gute Unkrautunterdrückung erreicht. Hierfür können sowohl Hauptfrüchte als auch Gründüngung verwendet werden. Für den Anfang sollten die Felder ausgesucht werden, die die besten Voraussetzungen für den Erfolg bieten, und nicht solche auf denen es Bodenfruchtbarkeits-, Unkraut- oder andere Probleme gibt.

Problemunkräuter wie z. B. Quecken oder Trespen sollten vor der Umstellung beseitigt werden. Die Planungsphase sollte genutzt werden, um sich eingehend über das Direktsaatsystem zu informieren, wozu die einschlägige Literatur zurate gezogen werden sollte. Auch andere Autoren haben sich Gedanken darüber gemacht, wie man in der Umstellungsphase verfahren sollte (Köller, 2001; Duiker u. Myers, 2005).

Direktsaat in der regenerativen Landwirtschaft
Direktsaat in der regenerativen Landwirtschaft

Auf die Bauern kommt es an

No-Till ist ein einfaches Verfahren und kann von Bauern entwickelt werden. Obwohl Wissenschaftler in Deutschland und anderswo die Direktsaat intensiv erforscht haben, sind es meistens die Bauern gewesen, die das Verfahren angepasst und weiterentwickelt haben. Die große Verbreitung der Direktsaat in Nord- und Südamerika wurde und wird vor allem von Bauern vorangetrieben. 

Soll das Verfahren in Deutschland Verbreitung finden, dann müssen die Landwirte die Initiative ergreifen, von anderswo wird sie kaum kommen.

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