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Direktsaat-Feldtag auf Hof Schierholz

Nachdem unser geplanter Besuch auf dem Hof Schierholz zwei Wochen zuvor wegen Krankheit ausfallen musste, waren wir umso mehr begeistert, als wir erfuhren, dass Familie Schierholz einen Direktsaat-Feldtag für den 17. März geplant hatte. Was uns zusätzlich freute: Dr. Theodor Friedrich (Ex-FAO) und Maik Freitag von Novag waren für zwei Vorträge zum Themengebiet Direktsaat geladen.

Hof Schierholz

Alexander und Friederike Schierholz haben ihren Betrieb auf regenerative Prinzipien umgestellt oder befinden sich derzeit in Umstellung. Sie wollen nicht mehr nur den Ist-Zustand ihrer Böden bewahren, sondern fruchtbare Böden von Grund auf aufbauen und Kreisläufe schließen – auch für mehr Biodiversität und Klimaschutz. Aus dem Grund setzen sie nicht nur auf Direktsaat im Ackerbau mit ganzjähriger Begrünung und Bodenbedeckung, sondern auch auf die Integration von Tieren (Angus-Rinder und Hühner in mobilen Ställen). Zusätzlich haben sie Bäume als Agroforst angelegt, um ihren Hühnern im Sommer Schatten zu bieten.

Alexander und Friederike Schierholz

Hof Schierholz ist auch in unserem Verzeichnis von Betrieben zu finden. Oder besucht direkt ihre Webseite Schierholzer Wiesenei.

Wir durften bereits am Donnerstag vor dem geplanten Feldtag anreisen und wurden offenherzig von Friederike und Alexander empfangen. Kaum auf dem Hof angekommen startete auch schon eine ausgedehnte Hofführung mit Kind und Kegel. Wir durften helfen, die kleine Herde von roten Angus-Rindern umzustellen, die mobilen Hühnerställe besuchen und den Zustand der Direktsaat-Böden begutachten. Unsere Kameras durften dabei natürlich nicht fehlen und so haben wir den ersten Hofrundgang bereits ausgiebig video- und fotografisch dokumentiert.

Alle Fotos: Jan Wagner, soilify

Vorträge

Das Gemeindehaus platzte aus allen Nähten – jeder Platz war besetzt. Sogar im Gang wurden weitere Tische aufgestellt, um alle Besucher im Saal unterzubringen. 150 Personen – zum Teil mit einem immensen Anfahrtsweg – wollten den Feldtag zur Direktsaat auf Hof Schierholz erleben.

Nach einer kurzen Willkommensrede von Friederike und Alexander Schierholz machte Maik Freitag mit seinem Vortrag „Zukunftstrend: Boden gut machen!“ den Anfang beim theoretischen Teil des Feldtags. Maik betonte die Wichtigkeit der Erhaltung unserer Böden zur Sicherung der menschlichen Existenz. Er beschrieb den Zustand der Böden in Deutschland anhand des Bundes-Bodenschutzgesetzes und stellte die Frage, ob wir in Deutschland diesem Gesetz auch tatsächlich nachkommen. Im weiteren Verlauf seines Vortrags hat Maik die unterschiedlichen Definitionen der „Regenerativen Landwirtschaft“ vorgestellt und gezeigt, warum Direktsaat das einzig sinnvolle System im Ackerbau darstellt, um dem fortschreitenden Bodenverlust erfolgreich zu begegnen.

Dr. Theodor Friedrich, seines Zeichens Experte für „Conservation Agriculture“ und pensionierter FAO-Sachverständiger, sprach in seinem Vortrag „Konservierende Landwirtschaft als Grundlage nachhaltiger Landbewirtschaftung“ davon, dass uns die „Bodenzerstörung eher umbringen wird als der Klimawandel“. Nach dem Blick auf das Schaubild zur weltweiten Bodendegradation aus dem Jahr 2000 ist dieses Szenario leider alles andere als abwegig. Demnach waren damals bereits 66% der Erde degradiert, und 100% der Ackerflächen degradieren zusehends.

Laut Dr. Friedrichs Aussage verstärke der Klimawandel zwar die Folgen der Bodenzerstörung, stelle aber nicht deren Ursache dar. Im weiteren Verlauf seines Vortrags ging Dr. Theodor Friedrich näher auf Wasser- und Nährstoffkreisläufe ein und stellte die Vorteile der Conservation Agriculture als die Grundlage für jegliche Art einer nachhaltigen Landwirtschaft vor. Sein Fazit: Jede Bodenbearbeitung ist NICHT nachhaltig, weil die daraus resultierende Bodenzerstörung Wasserkreisläufe störe und Artenvielfalt und Klima negativ beeinträchtige. „Es ist Zeit für eine ökologische Agrarwende – eine Landwirtschaft ohne Bodenbearbeitung!“

Alle Fotos: Jan Wagner, soilify

Auf dem Feld

Nach den Vorträgen stiefelten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer gen Feld, auf dem bereits alle sieben Direktsaat-Maschinen nur darauf warteten, endlich ihr Können unter Beweis zu stellen. Den Anfang machte die John Deere 750A Sämaschine von Feldtag-Initiator Alexander Schierholz. Nach kurzen einleitenden Worten sprang Alexander auf den Traktor und startete den Sävorgang…
Im Weiteren möchte ich nur die einzelnen Hersteller und Modelle namentlich erwähnen, aber nicht näher auf den jeweiligen Testlauf eingehen. Nur so viel kann ich verraten: Am Ende kann eine Maschine nur so gut arbeiten, wie derjenige der sie bedient. Die mechanischen Methoden mögen sich von Maschine zu Maschine etwas unterscheiden, aber am Ende entscheidet eine optimale Einstellung über das spätere Ergebnis. Jede Maschine hat ihre Vor- und Nachteile. Aus dem Grund kann ich nur die Empfehlung aussprechen, sich erstens unabhängig beraten zu lassen (z.B. von Heiner Willenborg) und zweitens andere Landwirte im eigenen Netzwerk zu fragen, welche Erfahrungen sie mit der jeweiligen Maschine gemacht haben. Am Ende entscheidet natürlich auch das eigene Budget. Aber eine Direktsaat-Maschine kauft man, wenn alles gutgeht, auch nur einmal im Leben.

Direktsaat-Maschinen

Folgende Maschinen wurden auf dem Direktsaat-Feldtag vorgestellt:

  1. John Deere 750A (Herstellerseite)
  2. Horsch Avatar 6.16 SD (Herstellerseite)
  3. Weaving GD3000M (Herstellerseite)
  4. Väderstad Rapid 300 (Herstellerseite)
  5. Novag T-ForcePlus 350 (Herstellerseite)
  6. Horizon DSX 40-20 (Herstellerseite)
  7. Tandemflex (Auf der Landwehr GmbH)

Alles in allem ein sehr erfolgreicher Feldtag bei bestem Frühlingswetter – informativ und kurzweilig zugleich. Man konnte den Spirit innerhalb dieser Gemeinschaft von Landwirten regelrecht spüren. Hier bildet sich derzeit eine Gruppe motivierter Menschen heraus, die die Gesundheit ihrer Böden eigenverantwortlich in die Hand nehmen möchten – weit über das hinaus, was derzeit in Ausbildung oder Studium gelehrt wird. Pioniere auf ihrem Gebiet. Und das spürt man. (Zum Teil sehr junge) Landwirte tauschen sich aus, vernetzen sich deutschlandweit und sind in Regionalgruppen aktiv. Sie wollen Dinge zum Positiven verändern, voranschreiten und das Richtige tun: Unsere Böden wieder von Grund regenerieren.

Besonderer Dank gilt: Friederike und Alexander Schierholz, Dr. Theodor Friedrich, Maik Freitag, Henricus Kollmer, Hendrik Deepe, Florian Röttger und den Firmen der Direktsaat-Maschinen John Deere, Horsch, Weaving, Väderstad, Novag, Horizon und Tandemflex – und alle, die wir vergessen haben.

Zum Abschluss noch ein Hinweis für alle, die sich noch eingehender mit der Direktsaat beschäftigen möchten: Unsere Themenseite Direktsaat beinhaltet viel Informatives und Lehrreiches zur „hohen Kunst des Ackerbaus“. 

Neue Perspektiven schaffen

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